Ein herzliches Moin Moin aus dem viel zu kalten hohen Norden!
In der letzten Woche hatte ich die Ehre, im Schleswig-Holsteinischen Landtag beim ersten Platt Poetry Slam aufzutreten. An dieser Stelle ein großes "Dankeschön!" an die Veranstalter und die anderen Slammer, es hat riesigen Spaß gemacht (und das Catering war super)!
Auf die Bühne kamen sowohl Teil eins als auch die brandneue Fortsetzung der Geschichte um Einstein, Elvis und Schrödingers Katze. Teil zwei mit aktuellen Themen wie Flüchtlingsunterbringung und Bahnstreik.
Einen Nachbericht sowie das komplette Video des Slams findet ihr hier.
Und Teil zwei der Geschichte um die zwei Herren und die Katze (oder auch nicht...) zum Nachlesen möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.
Also, Bühne frei für abstruse Physik:
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Dienstag, 19. Mai 2015
Dienstag, 4. November 2014
Neues aus dem Absurditätenkabinett
Elementarteilchenphysik
oder auch: Er ist wieder da
Tief
im Westen, tief unter der Maggi-Fabrik in Bielefeld wird es Albert
Einstein in seinem Sarg zu langweilig. Mit lautem Knacken der alten
Nobelpreisträgerknochen erhebt er sich aus der Gruft und stößt auf
dem Weg nach draußen fast mit Elvis zusammen, der sich gerade eine
Dose Ravioli in der Mikrowelle warm gemacht hat. Unsere verstaubten
Helden grüßen sich mit kratziger Stimme, schließlich redet man
nicht mehr so viel, sobald man erstmal gestorben ist.
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Samstag, 13. September 2014
Ich brauche nichts - eine Dystopie
Ich brauche nichts.
Nichts zum Lesen
Nichts von dir
Nur einen Stift zum Schreiben
Und ein Stück Papier.
Donnerstag, 21. August 2014
Im Ascheregen (Tribute to Casper)
So, mal wieder eine Premiere! Diesen Text habe ich für das Finale der U20-Poetry-Slam-Meisterschaft im Juni geschrieben, aber dann doch nicht gelesen. Und ins Finale habe ich es leider nicht geschafft, also gibt's jetzt was Neues zu lesen.
Das Lied, das mich zu dem Text inspiriert hat, findet ihr hier.
Das Lied, das mich zu dem Text inspiriert hat, findet ihr hier.
Im
Ascheregen
„Dies
ist kein Abschied, denn ich war nie willkomm'n, will auf und davon
und nie wiederkomm'n.“
Ich
stehe da, Streichholz in der Hand und schaue zurück. Ein letztes
Mal, sage ich mir.
Das
Streichholz zischt, als ich es anreiße, es reicht nach Schwefel und
verbranntem Holz.
Ein
letzter Blick, dann lasse ich es fallen. Es landet auf dem großen
Scheiterhaufen der Lasten, die ich endlich loslassen will, loslassen
muss.
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Stadt,
U20,
Vergangenheit,
Zukunft
Sonntag, 10. August 2014
Leere
Stille,
nur das
leise Summen des Computers ist zu hören. Es ist so still, dass ich
glaube, den Cursor auf dem leeren Bildschirm blinken zu sehen. Auf
dem unschuldigen Weiß des Dokumentes, das ich mit Leben zu füllen
versuche. Den ersten Versuch habe ich bereits nach der Überschrift
wieder verworfen. Sie lautete „Vorbei“.
Aber das trifft es
nicht im geringsten. Denn es ist nicht vorbei, ich stecke mittendrin.
Mittendrin in etwas, das mir im Moment über den Kopf wächst, das
mich zu übermannen droht und unter dem ich förmlich versinke. Ich
versinke in Glück, in Angst, in dem Wunsch, einfach mal die Uhr für
eine Zeit anzuhalten um das Unvermeidliche hinauszuzögern. Denn in
schwachen Momenten will ich nicht gehen. Ich will hier bleiben, hier,
wo meine Komfortzone in deinen Armen ist und ich nichts zu befürchten
habe.
Auf der anderen
Seite zieht es mich weg von hier, dieser Ort wird mir zu eng wie ein
ungeliebter Rollkragenpullover, den ich als Kind tragen musste. Weg
von hier, was anderes sehen, andere Menschen kennen lernen. Ich freue
mich auf die neuen Möglichkeiten, die sich mir eröffnen. Doch es
spukt mir stets im Kopf herum, dass ich dich nicht dahin mitnehmen
kann, wohin ich so gern gehen würde, so sehr ich es mir auch
wünsche.
Vielleicht gehört
es zum Erwachsenwerden dazu, auch Menschen loslassen zu müssen, die
man liebt. Vielleicht müssen wir verlieren, um Neues zu gewinnen.
Neue Menschen, neue
Orte, neue Ideen. Vielleicht würde das Gefühl des
Leergeschrieben-Seins dann aufhören. Das Gefühl, nichts mehr zu
sagen zu haben, sich zu wiederholen und lediglich altes neu
aufzuwärmen.
Man möge mir
Gefühlsduselei unterstellen, aber Abschiede machen mich traurig und
in merkwürdiger Weise gleichgültig. Denn wir können noch so viel
über das Gefühl des Verabschiedens, des Loslassens und des
Auf-Wiedersehen-Sagens schreiben, letztendlich ist es immer zu wenig.
Man selbst fühlt sich leer und das Blatt ist nicht minder spärlich
gefüllt.
Auch noch so viele
Worte über das Vermissen machen das Gefühl nicht weniger
übermächtig, nicht weniger schmerzhaft.
Ich spüre es, ich
vermisse dich jetzt schon.
From Slamigan with love
Samstag, 9. August 2014
Da kommt was
Da kommt was auf uns zu, was großes, was aufregendes, was monumental momenterschütterndes.
Zukunft.
Wir alle kennen sie und
doch ist sie für jeden anders. Wie eine Theaterschauspielerin mit
tausend Masken. Für den einen ist sie zuckerwatterosa mit einer
leichten Tendenz ins Wolkenguckerblau. Eine Luftschlossfabrik, deren
Produktionskapazität ihresgleichen sucht. Für andere ist sie
gemacht aus Glas und Stahlträgern, linear, effizient, klar. Trust
me, I'm an engineer, sagt sie.
Und doch ist sie im
Grunde für uns alle gleich unerwartet, ungekannt und unberechenbar
wie die Wurzel aus zwei. Unsere Vorstellungen von ihr irreparabel
irrational in irren Parabeln an der späteren Wirklichkeit vorbei.
Unser Kopf in den
Wolken, die Füße auf dem Boden verwurzelt und doch bereit, die
Wurzeln zu lösen und loszulaufen. Mitten hinein in was immer uns
erwarten mag.
Abgewetzte Turnschuhe
an den Füßen, das Gesicht im Wind und immer querfeldein. Für den
Lebenslaufbalanceakt bleibt später noch genug Zeit.
Wir schauen in leere
Kakaotassen und meinen, Skylines unbekannter Städte in ihnen zu
erkennen und brennen sofort darauf, loszulaufen und die Städte
kennenzulernen.
Die Füße auf dem
Boden, unsicher, wohin sie laufen sollen, immer der Nase und dem Wind
nach.
Und wenn wir fallen,
dann stehen wir wieder auf, klopfen uns den feinen Staub aus den
Jeans, dass er in der Sommerluft und dem Rot der aufgehenden Sonne
nur so flimmert. Wir streifen alles ab, lassen uns weiter treiben.
Und irgendwann, wenn die Turnschuhe löchrig und die Jeans gebleicht
sind, dann werden wir irgendwann wissen, dass wir einen Platz
erreicht haben, an dem es sich zu bleiben lohnt. Wir werden aus dem
Reisestaub Häuser bauen, Wind säen und Sturm ernten, von dem wir
entweder weitergetragen werden oder dem wir standhalten. Aber wir
wissen, dass wir es selbst getan haben. Trust us, we are engineers.
Und vielleicht, ganz
vielleicht, wird aus der gläsern-stählernen Linearzukunft ja ein
modernes Kunstwerk in Form eines rosa Zuckerwattebootes und aus dem
Wolkenguckerblau ein realistisches Stahlgrau. Wir befinden uns in
ständiger Metamorphose, lassen uns nicht in Schubladen stecken und
weigern uns, am Geruch des Althergebrachten zu ersticken. Wir wandern
aus nach Australien und leben in Symbiose mit Kängurus, bis wir
zusätzlich zum Springen auch noch das Fliegen gelernt haben. Wir
schlagen uns durch Bambusplantagen, weil man von dieser Pflanze immer
noch am besten lernen kann, was Geradlinigkeit bedeutet. Und
manchmal, manchmal hängen wir einfach mit Faultieren ab und wären
selbst gern eins, weil Prokrastination dann zu unserer
Jobbeschreibung gehören würde.
Wir steigen auf Berge
und fallen in tiefe Schluchten, geschützt von zuckerwatterosa
Luftpolstern und wolkenguckerblauen Luftschlössern, die uns
auffangen, wenn wir nicht mehr weiter wissen.
Wir schlagen uns mit
bloßen Händen durch undurchdringliches Gestrüpp im Urwald oder im
botanischen Garten. Wir rennen mit dem Kopf voran gegen Stahlbeton,
obwohl uns jeder sagt, dass es wehtun wird. Aber dann tut es eben
weh. Kängurus können auch nicht rückwärts hüpfen, wenn sie vor
einer Wand stehen, also warum sollten wir es tun?
Unendliche Chancen, ein
riesiger Flur mit tausenden Türen, die uns alle weit offen stehen.
Einige sind groß und weit, andere gleichen eher kleinen Luken. Aber
in unserer Fantasie stehen uns all diese Türen offen, wir müssen
nur hindurchgehen. Dahinter warten Reichtum, Glück, Familie oder
genau jenes Studienfach, dass wir uns schon immer erträumt haben.
Das Licht, dass aus diesen Türen scheint, sieht wahrscheinlich für
jeden anders aus, aber energiesparend ist es mit Sicherheit selten.
Hinter jeder dieser
Türen im ganz persönlichen Luftschloss aus der großen
Luftschlossfabrik am Rande des Möglichen versteckt sich der ganz
individuelle Big Deal für jeden von uns. Wir müssen nur eintreten,
nachsehen, ausprobieren und anprobieren, ob uns das Leben hinter der
Tür passt. Und wenn es kneift und zwickt, probieren wir es eben
hinter der nächsten Tür und wer weiß, vielleicht begegnen wir
einem anderen Menschen, dem das, was hinter dieser neuen Tür ist,
genauso gut passt?
Und dann ist es
plötzlich vorbei damit, sich mit Kängurus, Bambusplantagen und
Faultieren zu identifizieren. Dann fangen wir an, im Spiegel uns
selbst zu sehen und nicht nur den, der wir gern wären, aber trotz
Bambustherapie nicht sein können. Und dann geben wir unserem
Spiegelbild die Hand und sagen: „Schön dich kennenzulernen. Lass
uns die Welt verändern und nicht uns verbiegen. Lass uns raus gehen
und um die Häuser fliegen, wie wir es im Beutel eines Kängurus
gelernt haben.“
Und dann gehen wir
raus, mit dem Ich, dass wir vorher nie sein wollten und mit Menschen,
die wir vorher nie kannten und alles sieht auf einmal anders aus.
Zuckerwatterosa, wolkenguckerblau. Unsere Luftschlossfabrik
produziert noch. Aber jetzt hat sie ihre Produktion auf Realität
umgestellt.
Jahre später werden
wir uns in der Stadt umsehen, in die uns der Wind irgendwann einmal
geweht hat oder die wir hinter einer der unzähligen Türen gefunden
haben und betrachten die stahlgraue Skyline. Und während die Sonne
langsam untergeht und alles in mattgoldenes Licht taucht bemerken
wir: Das ist die Stadt aus der Kakaotasse von damals.
Niemand von uns weiß,
wie die Tür oder die Stadt oder das Leben hinter ihr aussehen wird.
Aber eines wissen wir alle:
Da kommt was. Was ganz
großes.
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